1. Männer

Auch auf der Bank eine Bank

NTB von Torsten Kühl

Zwei Kreuzbandrisse, Meniskusriss, Bruch der Mittelhand, zuletzt – kurz vor Weihnachten – der dramatische Lungenriss im Spiel in Freiberg (Tageblatt/MZ berichtete) – der Leidensweg des Handballers Marcel Kilz ist ein langer. Wegen der letztgenannten Verletzung ist der Spielmacher des HC Burgenland zurzeit zum Zuschauen verdammt, wenn seine Teamkollegen in der Mitteldeutschen Oberliga um Punkte kämpfen. So auch am Sonnabend ab 19.30 Uhr in der heimischen Sporthalle Seminarstraße, wenn es gegen Marcel Kilz’ ehemaligen Verein TuS Radis geht. Torsten Kühl sprach mit dem 28-Jährigen.

Die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihnen?

M. Kilz: Um es mal ein wenig flapsig zu formulieren: Ich bekomme wieder Luft. Die Lunge hält jedenfalls. Das Schlimmste ist überstanden. In der kommenden Woche kann ich langsam wieder mit Lauf- und Krafttraining beginnen.

Und wie sieht es mit einem Comeback als Spieler aus?

M. Kilz: Vielleicht kann ich zum Ende der Saison wieder auflaufen, aber ich will mir da überhaupt keinen Druck machen. Ich möchte schon noch mindestens bis 30 spielen und dann von Jahr zu Jahr sehen, ob und wie es weitergeht.

Ist das nicht auch eine Kopfsache, wenn man nach so vielen Verletzungen wieder anfängt?

M. Kilz: Natürlich, aber ich habe mir bislang da nie so große Gedanken gemacht. Das war wahrscheinlich gut so.

Rückblickend auf das Freiberg-Spiel: Wie kam die Verletzung zustande und wie war die Zeit danach?

M. Kilz: Das war damals ein Zweikampf mit dem Spielertrainer der Sachsen. Von ihm habe ich von hinten einen Schlag in den Rücken bekommen – genau in einem Moment, als ich nicht mehr angespannt war. Da sind wohl Bläschen, die sich auf der Lunge gebildet hatten, geplatzt. So haben es mir die Ärzte jedenfalls erklärt.

Und wie haben die Gastgeber danach reagiert?

M. Kilz: Am folgenden Tag haben mich der Mannschaftsleiter und der Manager des Teams im Freiberger Krankenhaus besucht, sich nach meinem Befinden erkundigt und mir ein kleines Präsent gebracht. Das war schon in Ordnung.

Aber danach gab es gesundheitliche Rückschläge …

M. Kilz: Ja, zunächst sah es ganz gut aus, aber dann ist die Lunge wieder eingefallen, und es wurde ein weiterer operativer Eingriff notwendig. Aber inzwischen ist, wie gesagt, wieder alles okay.

Da Sie aus verständlichen Gründen zurzeit nicht als Aktiver auf der Platte stehen können, sind Sie jetzt so etwas wie Ines Seidlers Co-Trainer, oder?

M. Kilz: Na ja, in erster Linie bin ich noch Spieler und Kapitän der Mannschaft. Die Bezeichnung Co-Trainer ist vielleicht etwas übertrieben, aber ich versuche schon, den Jungs von der Bank aus den einen oder anderen Tipp zu geben. Die Entscheidungen trifft natürlich Ines. Ich schaue auch beim Training vorbei, obwohl ich noch nicht mitmachen kann.

Zum Spiel gegen Ihren Heimatverein Radis. Das wird eine harte Nummer.

M. Kilz: Das stimmt. Die Radiser haben sich weiter verstärkt, sind jetzt sehr erfolgreich, haben sechs Mal in Folge gewonnen.

Was sind die Stärken dieser Mannschaft?

M. Kilz: Sie sind uns vor allem körperlich überlegen, wenn ich allein an den 2,05 Meter großen und 120 Kilo schweren Rumänen Cristian Telehuz denke. Den bekommt man eigentlich nicht in den Griff. Als er in der Hinrunde verletzt war, hatte Radis Probleme. Aber jetzt sind sie in der Abwehr wieder bärenstark und können ihre Vorzüge im Konter ausspielen.

Wie könnte Ihre Mannschaft dem TuS-Team beikommen?

M. Kilz: Wir dürfen uns von der harten Gangart des Gegners nicht provozieren lassen und müssen versuchen, unsere kleinen Fehler abzustellen. Ich denke, dass sich hier zwei gleichwertige Mannschaften gegenüberstehen, dass es bis zur letzten Minute ein enges Match und dass die Tagesform entscheiden wird. Bisher haben wir immer in Radis gewonnen, und die Radiser haben in Naumburg gewonnen. Das wollen wir jetzt endlich ändern.

Es ist – mal wieder – auch ein richtungsweisendes Spiel für Ihre Mannschaft. Verliert sie erneut, zieht Radis vorbei.

M. Kilz: Wir dachten auch, dass wir schon reifer sind, aber wir verlieren solche Spiele wie in Hoyerswerda, wo wir schon mit sechs Toren vorn lagen, noch mit einem Treffer. Das war ja nicht das erste Mal in dieser Saison. Da müssen wir einfach cleverer werden.