1. MännerSlider

Auf der A4 fast schon zu Hause!

Veröffentlicht

VON TORSTEN KÜHL

Torwart Stephan Harseim trifft am Sonnabend im „Euroville“ mit dem HCB auf seinen Ex-Verein SV Hermsdorf. Der Neuzugang hat die weiteste Anreise zum Training.

NAUMBURG.

Nicht nur im Fußball sind Torhüter (neben Linksaußen) eine besondere Spezies, der eine gewisse Verrücktheit nachgesagt wird. Auch im Handball haben die Keeper oftmals den Ruf, ein wenig eigenwillig zu sein. Das ist sicher auch nötig, schließlich müssen sie – im wahrsten Sinn des Wortes – den Kopf für ihre Vorderleute hinhalten. Bei den Männern des HC Burgenland ist dies nicht anders. Thomas Drese, die aktuelle Nummer eins, ist zwar abseits des Spielfeldes eher der ruhige Geselle, aber wenn der Anpfiff ertönt, wird er zum Vulkan. Dreses Back-up zwischen den Pfosten heißt seit dieser Saison Stephan Harseim. Er wiederum ist auch auf dem Parkett der besonnene Typ, aber in einem anderen Punkt absolut Handball-verrückt: Für seinen Verein legt er pro Woche 560 Kilometer zurück – nur um zum Training und wieder zurück nach Hause zu kommen!

Seidler: „Tut der Mannschaft gut“

Harseim wohnt und arbeitet in Eisenach. Da ist die Domstadt im Burgenlandkreis nicht gerade der nächste Weg, um seinem Hobby nachgehen zu können. „Wenn ich mir nicht hundertprozentig sicher gewesen wäre, dass das Gesamtpaket beim HCB stimmt, wäre ich diesen Schritt nicht gegangen. Die Verantwortlichen des Clubs kümmern sich auch um die kleinsten Dinge. Und dass ich mich mit meinen neuen Teamkollegen super verstehen werde, war mir ohnehin klar“, sagt der 30-jährige Torwart. Und so setzt sich der Thüringer, der als Einkäufer in der Metallbranche tätig ist, dienstags und mittwochs nach Dienstschluss ins Auto und fährt die 140 Kilometer nach Naumburg zum Training. Die Einheit am Freitagabend bleibe ihm zum Glück erspart, „da ist die Autobahn 4 zu voll“.

HCB-Trainerin Ines Seidler hatte sich einen erfahrenen Keeper wie den Eisenacher gewünscht, um ihren Kader zu vervollkommnen. „Stephan ist ruhig, sachlich und erfahren und tut der Mannschaft unheimlich gut. Er ist ein ganz wichtiger Bestandteil des Teams“, sagt sie über den Neuzugang. „Stephan und Thomas Drese haben in den vergangenen Wochen zueinandergefunden, bilden jetzt ein starkes Duo, das wir in dieser ausgeglichen besetzten Mitteldeutschen Oberliga auch dringend benötigen.“

Derzeit ein „Siebenmeter-Töter“

Zwar ist Harseim aktuell nur die Nummer zwei hinter Drese, aber wenn er ins Spiel kommt – vor allem bei Strafwürfen für den Gegner – ist er voll da. Erst letzte Woche beim 32:26-Sieg gegen den zuvor noch verlustpunktfreien Spitzenreiter in Glauchau parierte er wieder drei Siebenmeter. „Ich bin derzeit noch nicht bei meinen 100 Prozent. Wenn ich der Mannschaft da eben vor allem mit gehaltenen Siebenmetern helfen kann, dann ist es so. Ich akzeptiere diese Situation, will sie aber natürlich auch ändern und weiter hart an mir arbeiten.“

Stephan Harseim war vor Saisonbeginn vom Ligarivalen SV Hermsdorf zu den Burgenländern gewechselt, und genau auf diese Mannschaft trifft der HCB am Sonnabend. Anwurf ist um 19 Uhr im Euroville. „Das wird für uns ein hartes Stück Arbeit, denn die Hermsdorfer sind sehr robust und stehen hinten sicher“, weiß der Keeper, der die Wurfbilder seiner früheren Teamkollegen freilich genau kennt.

Gäste nur einen Punkt schlechter

Auf die Frage, ob deshalb das Videostudium des Gegners dieses Mal komplett ausfallen könne, entgegnete Harseim: „Nein, nein, wir bereiten uns natürlich genauso gewissenhaft auf dieses Spiel vor wie auf jedes andere auch. Wir wollen schließlich in der Erfolgsspur bleiben.“ In dieser befinden sich allerdings zurzeit auch die Hermsdorfer. Sie haben die drei letzten Ligaspiele gewonnen und am vergangenen Wochenende vor eigenem Publikum gegen Aufsteiger Spergau einen 11:18-Pausenrückstand mit einer tollen Aufholjagd noch in einen 29:27-Sieg verwandelt. Die Thüringer liegen lediglich einen Punkt und zwei Positionen hinter dem HCB auf Platz sechs der Tabelle. Nur der Sieger kann also an der Spitzengruppe dranbleiben.

Zur Person

Echter Eisenacher!

 

Stephan Harseim ist ein waschechter Eisenacher. Mit sieben Jahren begann er dort, Handball zu spielen. Er durchlief den kompletten Jugendbereich des ThSV  inklusive Handball-Internat. Später spielte er in der zweiten Männermannschaft und trainierte in der ersten (2. Bundesliga) mit. Nach einer Wettkampfpause wegen gesundheitlicher Probleme lief der heute 30-Jährige unter anderem für Gotha, Erfurt, Werratal und Hermsdorf auf.

Quellen:

Text – www.naumburger-tageblatt.de

Bild – Torsten Biel