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Aufstrebendes Eigengewächs

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Marcus Deibicht ist einer von zwei Stößenern im Oberliga-Team des HC Burgenland. Am Sonnabend spielt er in Naumburg gegen Aufsteiger Plauen.

Bodenständig nennt man so etwas wohl. Oder heimatverbunden. Treu ist ebenfalls ein Attribut, mit dem man Marcus Deibicht bezeichnen kann. Denn treu ist er dem hiesigen Handball schon seit 19 Jahren. Seit er damals in der kleinen Turnhalle in Stößen unter seinem ersten Trainer Steffen Quarg seine sportliche Laufbahn in eben dieser Sportart begann. Gewechselt hat Deibicht, inzwischen 25, den Verein nie. Nur hatte der nach verschiedenen Fusionen immer mal einen anderen Namen: erst SV Blau-Gelb Stößen, dann – nach der Fusion mit den Friesen aus der Domstadt – zunächst HSG, später HSV Naumburg-Stößen und nun – nach einem weiteren Zusammenschluss (mit den Prittitzern) – HC Burgenland.

Geblieben ist Marcus Deibicht immer ein Stößener. In dem Städtchen nahe der Autobahn 9 hat er eine kleine Wohnung, zum Training fährt er drei Mal pro Woche die gut zehn Minuten nach Naumburg, und zur Arbeit ist es für ihn ein ähnlich kurzer Weg: Der gelernte Industriekaufmann ist bei der Ziehl Mewa GmbH in der Kreisstadt in der Export-Abteilung tätig. „Ja, ich fühle mich total wohl hier“, sagt Deibicht. Er und Tobias Seyfarth sind die einzigen Stößener im aktuellen Oberliga-Team des HCB und damit die einzigen Einheimischen überhaupt. „Viele meiner Mitspieler, die von anderen Vereinen zu uns kamen, sind aber auch schon eine Ewigkeit hier, wenn ich nur an Marcel Kilz denke. Wir verstehen uns super, sind eine echte Einheit geworden“, beschreibt der Lokalmatador das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Trotz seiner erst 25 Jahre gehört Marcus Deibicht zu den Erfahrensten im Team. Talent und frühere Erfolge – wie die Oberliga-Zeit mit den Stößener A-Jugendlichen, für die er damals als B-Jugend-Spieler aktiv war (zum Beispiel mit Sascha Kluge, Christian Haufe und Martin Linse) – haben den Stößener zu einem wichtigen Teil des Teams werden lassen. Und harte Arbeit. Denn Deibicht, der früher meist im zentralen Rückraum eingesetzt wurde, ist in den vergangenen Jahren körperlich robuster geworden. „Die Umstellung auf die Rechtsaußenposition hat Marcus super gepackt. Dort macht er abwechselnd mit Tobias Ufer einen tollen Job. Und vor allem ist er inzwischen ein absoluter Abwehrspezialist geworden“, lobt Coach Ines Seidler den einsatzstarken und trainingsfleißigen Rechtshänder.

Apropos Rechtshänder: Da hat Marcus Debicht das gleiche Problem wie Tobias Ufer, wenn er im Angriff von der rechten Seite Tore erzielen will. Zu spitz ist da oft der Winkel. „Man muss mit dem Wurf lange warten können“, erklärt Deibicht augenzwinkernd den „Trick“, der natürlich in erster Linie gewaltige Sprungkraft, große Beweglichkeit und Nehmerqualitäten (bei der meist harten Landung) erfordert.

Mit seinem Team will Deibicht am Sonnabend in der heimischen Sporthalle Seminarstraße in Naumburg (der Anwurf erfolgt um 19.30 Uhr) Aufsteiger HC Einheit Plauen bezwingen und damit den fünften Tabellenplatz festigen. Und am liebsten wollen es der Stößener und die anderen Burgenländer nicht wieder so spannend machen wie in bereits acht Spielen dieser Saison, die jeweils nur mit einem Treffer Unterschied endeten. Nur drei davon hat der HCB gewonnen und damit vielleicht die Chance verspielt, ganz oben anzugreifen. „Natürlich darf man sich das nicht vor Augen halten, was gewesen wäre, wenn. Aber man darf auch nicht vergessen, dass uns vor Beginn des Spieljahres sicher nicht allzu viele Experten so weit oben erwartet haben. Wir spielen eine starke Saison und wachsen immer mehr zusammen“, so Deibicht.

Gegen Plauen muss Ines Seidler mal wieder einen Torwart ersetzen. Wie sie berichtet, orientiert sich Florian Hempel beruflich neu, und wegen einer Weiterbildung wird er nicht nur heute fehlen, sondern in den kommenden Wochen auch im Training. „Wir müssen die Situation jetzt so nehmen, wie sie ist. Kevin Lang rückt hinter Thomas Drese wieder auf die Bank und wird unter der Woche auch alle drei Trainingseinheiten bestreiten“, erklärt Seidler. Lang sei der einzige Keeper, der mit dem Team trainieren könne, da Drese in Oebisfelde wohnt und in Wolfsburg arbeitet. Die Torhüter der zweiten Mannschaft, Sandro Zacher (Examen) und Tristan Enke (Schichtdienst), sind ebenfalls meist verhindert.