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Dänischer „Feuerwehrmann“

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VON TORSTEN KÜHL

Der HC Burgenland hat vor der Heimpartie gegen Staßfurt ein neues „Sicherheitspaket“ geschnürt: mit Training in Plotha und Keeper Stig-Top Rasmussen.

PLOTHA/NAUMBURG.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht man sich gemeinhin – meist im übertragenen Sinne. Den Handballmännern des HC Burgenland, die sich in der Mitteldeutschen Oberliga etabliert haben, kommt jedoch dieser Spruch nicht mehr so leicht über die Lippen. Zu treffend beschreibt er die Zustände in ihrer Trainingsstätte, der Sporthalle in der Naumburger Seminarstraße. „Dort ist der Boden so glatt, dass sich schon mehrere Spieler verletzt haben. Eine Lösung für dieses Problem konnte leider noch nicht gefunden werden“, berichtet Trainerin Ines Seidler. Deshalb hat sie die Einheiten am Dienstag- und Mittwochabend kurzerhand nach Plotha verlegt. „Sicher ist sicher.“

„Ein Pfundskerl, absoluter Profi“

Zweimal die Woche nach Plotha kommt auch der Blitztransfer der Burgenländer, und er gehört ebenfalls zum neuen „Sicherheitspaket“ des Oberligisten: Stig-Top Rasmussen. Der 41-jährige Keeper, den der HCB kurzfristig reaktiviert hat (Tageblatt/MZ berichtete), soll zusammen mit Thomas Drese hinten dichtmachen, der Abwehr mehr Stabilität verleihen. „Stig-Top ist ein Pfundskerl, ein absoluter Profi. Er wird jetzt versuchen, in kleinen Schritten möglichst schnell fit zu werden“, sagt Ines Seidler über ihren „Feuerwehrmann“ zwischen den Pfosten. Der Däne hat vier Jahre kein Handball gespielt, war zuletzt für die HG 85 Köthen und davor auch mal für die HSG Werratal, den letzten Gegner der Burgenländer, in der 3. Liga aktiv.

Eine schwere Verletzung, nach der er drei Jahre lang überhaupt keinen Sport treiben konnte, hatte Rasmussens aktive Laufbahn vorerst beendet gehabt. „Ich hatte mir im Oberschenkel so ziemlich alles gerissen, aber jetzt geht es wieder“, erzählt der sympathische Däne, der im Sommer 1999 des Handballs wegen nach Deutschland gekommen war und zunächst in Bad Salzuflen (Nordrhein-Westfalen) spielte. Rasmussen blieb, ist mit einer Köthenerin verheiratet und hat drei Kinder. „Vor allem natürlich die Familie ist der Grund, warum ich nicht nach Dänemark zurückgekehrt bin. Aber auch sonst gefällt es mir hier sehr gut.“

Er habe nicht lange überlegen müssen, als der Anruf von Ines Seidler kam, die fragte, ob er im HCB-Tor vorübergehend aushelfen wolle. Zunächst bis Ende Februar; dann soll Stephan Harseim, zweiter Keeper der Burgenländer, wieder fit und voll belastbar sein. „Ich kenne Ines seit vielen Jahren, weiß, welche gute Arbeit sie in Naumburg leistet, und ich wusste auch, dass der HCB ein super Team beisammen hat, in dem große Harmonie herrscht“, sagt Stig-Top Rasmussen. All diese Faktoren hätten seine Entscheidung erleichtert, auch wenn man die Fahrerei zwischen seinem Wohnort Köthen und Plotha beziehungsweise Naumburg oder den Auswärtsspielorten in der Oberliga nicht unterschätzen dürfe. Er bekomme dies und das Familienleben aber ganz gut in den Griff. Es helfe ihm freilich, dass er selbstständig sei.

Auch ein stürmender Fußballer

Das aktuelle persönliche Fitnessprogramm des Dänen ist nicht ohne. Montags und donnerstags trainiert er mit den Kreisliga-Fußballern des FC Eintracht Köthen, mit denen er – allerdings als Stürmer – ebenfalls um Punkte kämpft. Dienstags, mittwochs und freitags stehen die Einheiten mit den Handballern des HCB auf dem Plan. „Die fehlende Kraft ist ein ganz entscheidender Faktor“, erklärt Stig-Top Rasmussen. „Wenn du keine Kondition hast, fehlt dir als Torwart im Spiel irgendwann auch die Konzentration, um wichtige Bälle halten zu können. Das habe ich in der Partie bei den Werratalern gemerkt. Schade, dass es da für uns nicht zu einem Punktgewinn gereicht hat“, so der Däne nach der knappen 34:35-Niederlage der Burgenländer. In Breitungen, wo dieses Spiel stattfand, musste der noch nicht wieder fitte Rasmussen allerdings 60 Minuten durchspielen, weil Thomas Drese fehlte.

Die Partie gegen Rot-Weiß Staßfurt beginnt am Sonnabend um 19 Uhr im Naumburger „Euroville“.

 

Gegner Staßfurt Im Schnitt 20 Kilo schwerer als wir“

Marcel Kilz, der angeschlagene Regisseur des HCB, bringt die Unterschiede zwischen seinem Team und dem sonnabendlichen Gegner auf den Punkt: „Die Staßfurter sind im Schnitt 20 Kilo schwerer als wir.“ Körperlich unterlegen zu sein, dieses Gefühl kennen die Burgenländer in der Mitteldeutschen Oberliga. Nicht nur wegen der Größen- und Gewichtsunterschiede nennt Trainerin Ines Seidler ihre Schützlinge gern auch mal „Spielmäuse“. Diese wollen gegen die Rot-Weißen aus dem Salzlandlandkreis am Sonnabendabend im „Euroville“ nach zuletzt drei sieglosen Spielen zurück in die Erfolgsspur. „Die Duelle mit Staßfurt sind seit Jahren schon auf Augenhöhe“, sagt Ines Seidler, die wohl auf ihren kompletten Kader – bis auf den weiter verletzten Keeper Stephan Harseim – zurückgreifen kann. Marcus Deibicht und Torwart Thomas Drese sind wieder dabei; Marcel Kilz wird zumindest auf der Bank sitzen. „Wir haben ja am vergangenen Sonnabend gegen Werratal nicht schlecht gespielt. Der kämpferische Einsatz hat jedenfalls gestimmt.“ Kleine Punkte hätten nicht gepasst. Da müsse man ansetzen, dann könne man sich auch wieder für den Aufwand, den man Woche für Woche betreibt, belohnen.

Quelle:

www.naumburger-tageblatt.de