1. MännerSlider

Die Überflieger

Veröffentlicht

Quelle: NTB / Fotos: Steffen Herrmann

Nach der Überraschung in Köthen erledigt der HCB auch seine Hausaufgabe gegen überforderte Ziegelheimer. Geht Blick nun nach ganz oben?
Sport treiben, wenig Stress, Entscheidungen nicht auf die lange Bank schieben: So lauten bei vielen Menschen die guten Vorsätze fürs neue Jahr – die dann von den meisten recht schnell auch wieder vergessen werden.

Nicht so die Handballer des HC Burgenland: Sie bewegten sich beim ersten Oberliga-Heimspiel 2014 ordentlich (Sport treiben!), ließen kein Zittern aufkommen (Stress vermeiden!) und machten bereits nach wenigen Minuten und einer 6:1-Führung klar, wer die Halle als Gewinner verlassen würde (frühe Entscheidungen fällen!)

All dies wurde beim 38:25-Sieg natürlich durch den Gegner, den LSV Ziegelheim, begünstigt. Dieser, derzeit stark ersatzgeschwächt, zeigte, warum er mit lediglich zwei Pluspunkten abgeschlagen am Tabellenende steht, war chancenlos und konnte einem fast ein wenig Leid tun.

Ohne Mitleid zogen indes die Handballer aus Naumburg/Stößen/Prittitz ihr Spiel auf. Schöne Kombinationen führten zu einfachen Treffern, und so zischten die Bälle gnadenlos vorbei am Ziegelheimer Trainer Torsten Urwank, der für seine verhinderten Keeper das Tor hütete. Hinzu kam beim HCB zunächst eine konsequente Deckungsarbeit. Die deutliche Führung war die Folge.

Dass dann ein wenig der Schlendrian bei den Gastgebern einzog, kann man kritisieren. Man kann es aber auch als normalste Sache der Sportwelt einschätzen. Zwar kamen die Gäste durch einfache technische Fehler und Unkonzentriertheiten im HCB-Konterspiel Mitte der ersten Hälfte immer wieder auf drei Tore ran. Doch in Gefahr geriet der Heimsieg nicht. Vom 10:7 bis zum 14:7 zog der HCB locker flockig an, blieb dann konzentriert und führte zur Pause mit 19:10.

Eine Neun-Tore-Führung, die nach dem Seitenwechsel auch eine ganze Weile Bestand haben sollte. Zwar gelangen den Hausherren tolle Treffer, wie etwa durch Max Najmann zum 20:11 nach tollem Hinterrücks-Anspiel von Ants Benecke, doch drückte man das Gaspedal eben nicht voll durch und ließ vor allem hinten Lücken.

„Irgendwann hat man dann auch gemerkt, dass sich keiner mehr verletzen wollte“, schätzte HCB-Trainerin Ines Seidler die zweite Hälfte ein. Sie selbst schonte dabei im weiteren Verlauf der Partie die angeschlagenen Tobias Seyfarth und Tobias Ufer weitgehend. Einige Höhepunkte hatte der zweite Durchgang aber doch: So der gehaltene Siebenmeter von HCB-Ersatzkeeper Kevin Lang in seiner ersten Aktion. Oder die Rückraum-Torpedos, die Jan Schindler drei Mal ins Netz feuerte. Sowie natürlich der gelungene Kempa-Trick von Benecke auf Najmann zum 35:22.

Schlag um Schlag ging es am Ende der Partie. Die 40-Tore-Marke geriet aber nicht in Gefahr. Wer weiß, ob sich – aus Angst vor dem zu spendierenden Kasten Bier – überhaupt ein HCB-Spieler getraut hätte, zu werfen?

Eine Erklärung (mit Schmunzeln versehen) hatte Ines Seidler auch dafür, dass sie keine einzige Auszeit nahm. „Ich wollte das Spiel nicht unnötig verlängern. Die Zuschauer sollten in der viel zu kalten Halle, für die wir nichts können, was uns aber sehr Leid tut, nicht länger frieren.“ Wichtig sei nun das Spiel am Wochenende beim Drittletzten in Hoyerswerda. Seidler: „Sollten wir auch da gewinnen, können wir über neue, höhere Ziele nachdenken.“

HCB: Thomas Drese (15 gehaltene Bälle), Kevin Lang (ein gehaltener Strafwurf), Hendrik Hein 6, Kenny Dober 7, Ants Benecke 6, Tobias Seyfarth 4/4, Marcus Deibicht 2, Jan Schindler 7, Sebastian Fende, Tobias Ufer 2, Max Najmann 4/1

[nggallery id=19]