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Dober behält die Nerven

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Quelle: NTB

Im „Wohnzimmer Seminarstraße“ klappt’s doch noch: Burgenländer bezwingen Oberliga-Aufsteiger Calbe mit 26:25. Auch die Frauen gewinnen.

Die Überschrift für diesen Spielbericht stand schon so gut wie fest. „Remis – was sonst?“ sollte sie lauten. Schließlich waren die beiden letzten Duelle zwischen den Burgenländern und den Calbensern geprägt von extrem engen Spielverläufen, von großem Kampfgeist – und eben von Unentschieden. Auch im erneuten Aufeinandertreffen am Sonnabend in der Naumburger Seminarstraße – dieses Mal in der Mitteldeutschen Oberliga – roch es bis kurz vor Schluss nach einer Punkteteilung. Dass es am Ende doch zwei Zähler für den gastgebenden HCB wurden, lag vor allem an der Treffsicherheit eines Jan Schindler, der stets auch dorthin ging, wo es wehtat, und an der Kaltschnäuzigkeit eines Kenny Dober, „unseres zweiten Stupsi“, wie Trainerin Ines Seidler den Neuzugang mit Blick auf den verletzt fehlenden Torjäger Tobias Seyfarth bezeichnete.

Als Ants Benecke wenige Minuten vor Schluss das 23:22 erzielte, wenig später aber eine völlig unnötige Zeitstrafe kassierte und die Gäste in der Folge erneut ausgleichen konnten, schien alles auf ein abermaliges Remis hinauszulaufen. Wäre da nicht Dober, der offenbar Nerven wie Drahtseile hat. Er hatte sich auch von einem Fehlversuch von der Siebenmeterlinie nicht entmutigen lassen und verwandelte in diesem entscheidenden Moment eiskalt seinen insgesamt fünften Strafwurf in dieser Partie. Der Gegenangriff endete mit einem Stürmerfoul der Calbenser, und wieder war Dober erfolgreich. Dieses Mal täuschte er aus dem Rückraum einen Wurf an, ließ den Ball noch einmal aufspringen und traf im zweiten Versuch zum 25:23. Zwar gelang den Gästen per Siebenmeter der Anschlusstreffer, aber der wuchtige Schindler machte 23 Sekunden vor der Sirene mit dem 26:24 alles klar. Calbes erneutes Anschlusstor änderte nichts mehr am Sieg des HCB, dem ersten in dieser Saison in dessen „Wohnzimmer“ in der Seminarstraße. Bisher hatten die Burgenländer daheim lediglich die Ziegelheimer geschlagen, allerdings im „Euroville“.

In der voll besetzten Halle hatten sich die Fangruppen beider Vereine ein derart ohrenbetäubendes Duell geliefert und für gute Stimmung gesorgt, dass selbst Sprecher Roland Nürnberger (auch nicht gerade der Leiseste) Mühe hatte, mit seinen Durchsagen gegen diese „Wand“ anzukommen. Auch auf der Platte ging es ordentlich zur Sache. Es war eine umkämpfte, aber nicht unfaire Oberliga-Partie, obwohl die Calbenser gleich drei Rote Karten wegen grober Fouls (Sören Lange/ 14., Martin Sowa/ 26., Ronny Krause/45.) kassierten und es zahlreiche weitere Zeitstrafen auf beiden Seiten gab.

Die Gäste ließen sich auch von den personellen Einschnitten nicht beirren, lagen lange in Führung. Erst kurz vor der Pause – zum 13:12-Halbzeitstand – zogen die Burgenländer durch ein Tor von Tobias Ufer erstmals in Front. Auch nach dem Seitenwechsel, als nun meist der HCB vorn – einmal sogar mit drei Toren (21:18) – lag, blieb Calbe dran, ehe die dramatische Schlussphase begann. Ines Seidler freute sich später, in der zweiten Halbzeit die richtigen Entscheidungen getroffen, zum Beispiel, Kenny Dober auf halbrechts beordert zu haben, über die große Moral ihres Teams und über die Tatsache, durch den Sieg nun etwas entspannter am kommenden Sonnabend zum schweren Auswärtsspiel nach Hermsdorf (Anwurf: 19.30 Uhr in der Werner-Seelenbinder-Halle) fahren zu können.

Zurück zur Überschrift. Schiedsrichterwart Eric Reitmeyer fragte nach dem glücklichen Ausgang zugunsten seines Clubs: „Und, was wird jetzt drüberstehen? Sieg – was sonst?“ Nein! Das wäre beim augenblicklichen Punktestand der Burgenländer (8:6) sicher etwas vermessen. Besser betiteln könnte man mit dieser Zeile allerdings mittlerweile die Artikel über die HCB-Frauen. Die nämlich setzten im Vorspiel in der Seminarstraße ihre Siegesserie in der Sachsen-Anhalt-Liga mit einem 35:26 gegen den Tabellendritten aus Magdeburg fort (wir berichten noch.)

HCB spielte mit:
Thomas Drese, Florian Hempel; Hendrik Hein 2, Kenny Dober 9/5, Ants Benecke 3, Florian Spitz 1, Marcus Deibicht, Jan Schindler 7, Sebastian Fende 1, Tobias Ufer 2, Marcel Kilz, Max Najmann 1