1. Männer

Drese hält den Sieg fest

Wie unterschiedlich doch das Anschauen eines Spielprotokolls und der reichlich 60-minütige Aufenthalt in einer Sporthalle sein können. Denn was uns das Protokoll der Handball-Oberligapartie der Burgenländer gegen Hoyerswerda verrät: Der HCB hat mit 28:25 sicher gewonnen und damit seinen ersten Saisonsieg (den ersten Pflichtspielsieg als HCB überhaupt) gefeiert. Dabei gelangen Hendrik Hein acht Tore und Keeper Thomas Drese 22 Paraden. Und ab dem 4:3 lagen die Einheimischen stets und zum Teil deutlich (22:15) in Führung.

Wenn man nun aber die 60 Minuten der Begegnung im „Euroville“ verfolgt hat, sah man (neben dem Sieg und den zweifellos überragenden Leistungen von Hein und Drese) vor allem eines: ein schwaches, mit unglaublich vielen Fehlern gespicktes Oberligaspiel, in dem man sich zunächst ungläubig die Augen rieb, was aus dem starken Hoyerswerdaer Team des Vorjahres geworden ist. Und man konnte die Hände vom Augenreiben dann gleich zum Vor-die-Stirn-Schlagen nutzen, da der HCB sich schnell auf das niedrige Niveau einließ.

Als Naumburg/Stößen/Prittitz nach etwa einer Viertelstunde mit 6:4 führte, hatten sich die drei eigentlichen Stützen des Spiels der Hausherren – Tobias Seyfarth, Marcel Kilz und Tobias Ufer – schon Fehlwürfe und Fehlabspiele geleistet, die kaum auf eine DIN-A-5-Seite passen. Dass alle drei einen gebrauchten Tag erwischten, sollte sich auch über die weiteren 45 Minuten nicht ändern. Bei Seyfarth kam dabei jedoch ein grobes Foulspiel dazwischen, das ihn im Zuge seiner besten Aktion, dem 9:6, einen schmerzhaften Aufprall aufs Parkett und seinem Gegenspieler Ronny Eckert die frühe Rote Karte einbrachte. Da der wendige Kreisläufer Eckert der bis dato einzige Gästespieler war, der die HCB-Abwehr um den defensiv starken Marcus Deibicht vor Probleme stellte, musste man als Zuschauer zu dem Schluss kommen: „Dieses Spiel kann der Gastgeber nicht verlieren.“ Wer es zynisch mag, musste aber ebenfalls feststellen: Der HCB versuchte es mit aller Kraft.

Fehler im Vorwärtsgang ermöglichten den Gästen einfache Würfe. Und hätte Keeper Drese nicht seine Leistung aus dem Köthen-Spiel um 200 Prozent gesteigert, wäre der HCB nicht mit einer 12:9-Führung in die Pause gegangen. Aus dieser kommend, setzte sich das schwache Spiel fort, ehe Hein per Doppelpack das 20:15 und 21:15 gelang. Da weder von der Hoyerswerdaer Bank noch von den Gästespielern ein wirkliches Aufbäumen zu erkennen war, hofften die Zuschauer nun auf einen Kantersieg, auf das Ablegen des Nervenkostüms und schöne Spielzüge. Doch: nix da. Trainerin Ines Seidler nutzte zwar die neue Breite ihres Kaders, aber damit ergaben sich Aufbaureihen wie zeitweilig Schindler-Dober-Spitz, die nicht eingespielt sind und dies auch zeigten. Hoyerswerda kam auf 27:25 heran. Die Nerven flatterten nun vollends, zum Super-Gau kam es jedoch nicht, weil Drese den Sieg festhielt.

„Es war heute wirklich der Druck des ersten Saisonsieges“, schätzte Trainerin Ines Seidler die Probleme ihres Teams ein. Die zahlreichen technischen Fehler seien schlichtweg „eine Kopfsache gewesen“. Als stärkste HCB-Spieler hatte auch sie Drese, Deibicht und Hein auf dem Zettel.