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Harseim: „Zum Glück ist nichts kaputt“!

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VON TORSTEN KÜHL

Die Verletzung von Stephan Harseim, die er sich im Heimspiel gegen seinen ehemaligen Verein SV Hermsdorf zugezogen hat (wir berichteten), ist nicht so schlimm wie befürchtet. „Zum Glück ist nichts kaputt. Das haben die Untersuchungen am Montag ergeben“, berichtet der Keeper der ersten Männermannschaft des HC Burgenland, der sich am Sonnabend im „Euroville“ die Schulter ausgekugelt hatte. Deshalb musste er bereits in der 13. Minute vom Feld. Auf unsere Frage, wann er wieder Handball spielen könne, antwortete Harseim: „Wenn es nach dem Wollen geht, dann bereits am kommenden Sonnabend in Plauen. Aber da hat mich der Arzt ausgelacht. Ich hoffe nun auf einen Einsatz am 13. Dezember im Heimspiel in Naumburg gegen Grubenlampe Zwickau.“

Die Männer des HC Burgenland unterliegen dem SV Hermsdorf im Euroville mit 28:39. Keeper Harseim kugelt sich die Schulter aus.

NAUMBURG.

Goethes oft zitierte Zeile „Himmelhoch jauchzend, zu(m) Tode betrübt“ – kaum besser könnte diese die Gemütslage der HCB-Männer in den vergangenen Tagen und Wochen beschreiben. Erst die grandiosen Siege gegen Freiberg (60:45) und beim Spitzenreiter in Glauchau (32:26), die so manche Fans der Burgenländer vom Kampf um den Titel träumen ließen. Und nun das: ein krachendes 28:39 gegen den SV Hermsdorf! Die erste Heimniederlage überhaupt in dieser Saison, die freilich ihre Gründe hatte.

Grund 1: das Torhüter-Problem. Thomas Drese, die aktuelle Nummer eins des HCB, hatte sich für die Partie gegen die Thüringer wegen einer Schleimbeutelentzündung im Ellenbogen abgemeldet. Nun gut, die Gastgeber hatten ja mit Stephan Harseim noch einen hoch motivierten Ex-Hermsdorfer zwischen den Pfosten, der gegen seine ehemaligen Teamkollegen zeigen wollte, was er drauf hat (wir berichteten). Harseim begann auch gut, parierte zwei der ersten drei Würfe der Gäste, aber dann kam die 13. Minute: Der in Eisenach lebende Torwart kugelte sich beim achten Treffer der Hermsdorfer die Schulter aus. Die verbleibende Spielzeit musste Kevin Lang das Tor hüten. Lang tat, was er kann, hielt einen Siebenmeter, stand aber gegen die wurfgewaltigen Gäste meist auf verlorenem Posten.

Grund 2: Daniel Zele. Der Wucht des früheren ungarischen Nachwuchs-Nationalspielers waren die Gastgeber nie gewachsen. Zele traf, wie er wollte, erzielte 14 Tore – die waren das Fundament des Hermsdorfer Sieges.

Grund 3: die eigenen Unzulänglichkeiten. Wenn die Leistungsträger des HCB-Teams einen „gebrauchten“ Tag erwischen, wird es für die Burgenländer schwer, in dieser stark besetzten Mitteldeutschen Oberliga etwas zu holen. Wenn ein Jan Schindler mit seinen ersten vier Wurfversuchen erfolglos bleibt, kann man sich vorstellen, dass es für ihn nicht gerade leicht wird, ins Spiel zu finden. Insgesamt nur vier Treffer gelangen dem bislang besten Torjäger der Liga. Und Kenny Dober, die neue Nummer eins dieser Rangliste, erzielte zwar immerhin zwölf Treffer, aber er leistete sich eben auch fast so viele Fehlversuche. Vom Kreis und von den Außen kam am Sonnabend beim HCB (fast) gar nichts. Die Abwehr stand nur phasenweise – ausgerechnet nach Harseims verletzungsbedingtem Ausscheiden – einigermaßen sicher.

Grund 4: das körperbetonte Spiel der Gäste. HCB-Trainerin Ines Seidler monierte später, dass die beiden Schiedsrichter vor allem zu Beginn der Partie – und auch später – die Attacken der Hermsdorfer gegen das Duo Schindler/Dober nicht ausreichend unterbunden beziehungsweise überhaupt geahndet hätten. Damit sei der Verlauf dieses Spiels schon ein wenig vorgezeichnet gewesen. Die beiden Referees ließen tatsächlich eine Linie bei ihren Entscheidungen vermissen, schienen so manches Mal überfordert.

In der Summe der Gründe ist der Sieg des SV Hermsdorf aber vor allen eines: verdient. Die Thüringer führten immer. Nur einmal – zum 1:1 – konnten die Burgenländer wenigstens ausgleichen. Beim 15:18 zur Pause lebte beim HCB die Hoffnung auf die Wende zumindest noch. Aber spätestens, als die Gäste mit sieben Torerfolgen hintereinander auf 30:20 davonzogen, war die Partie gelaufen.

Übrigens: Gestern klingelte bei HCB-Mannschaftsleiter Gerd Lange so oft wie lange nicht an einem Sonntag das Handy. „Die Leute wollten wissen, wie das Spiel tatsächlich ausgegangen ist. Das Ergebnis, das sie im Internet gelesen haben, könne ja wohl nicht stimmen“, berichtet Lange. Auch die meisten Zuschauer am Sonnabendabend im „Euroville“ hatten sich nach dem Blick auf die Anzeigetafel verwundert die Augen gerieben – genauso wie nach dem 105-Tore-Spiel gegen Freiberg.

Quellen:

Text – www.naumburger-tageblatt.de

Bilder – Hellfritzsch