1. MännerSlider

Gar nicht erst in Gefahr geraten

Veröffentlicht

Quelle: NTB

HC-Burgenland-Trainerin spricht über die Hinrunde in der Oberliga, die Genesung von Marcel Kilz und das anstehende Spiel bei Tabellenführer Köthen.

Mit dem Spiel am morgigen Sonnabend beim Tabellenführer in Köthen beginnt für die Handballer des HC Burgenland die Rückrunde in der Mitteldeutschen Oberliga. Über die erhoffte Überraschung, vor allem aber über die Leistungen in der Hinrunde sprach Tageblatt/MZ-Redakteur Harald Boltze mit HCB-Trainerin Ines Seidler.

Am Ende der Hinrunde steht für Ihr Team Platz fünf und ein positives Punkteverhältnis auf dem Papier: Wie zufrieden waren Sie mit den ersten 13 Partien?

I. Seidler: Nun, wir sind mit der Hinrunde sicherlich nicht enttäuscht. Platz fünf ist okay. Doch dafür haben wir in der Vorbereitung, vor allem in der Verstärkung unseres Kaders, auch viel getan. Trotzdem sehe ich nicht alles positiv und bin der Meinung, dass wir etliche Punkte liegen gelassen, wenn nicht gar verschenkt haben.

Spielen Sie da auf die vier knappen Niederlagen mit nur je einem oder zwei Toren Differenz an?

I. Seidler: Ja. Und das ist auch meine Forderung an die Rückrunde, dass wir solche knappen Spiele ziehen und für uns entscheiden. Doch dafür muss unsere Chancenverwertung besser werden. So viele vergebene Hundertprozenter kann man sich in so einer ausgeglichenen Liga einfach nicht leisten. Doch leider ist das eine Kopfsache.

Sicherlich gab es aber auch positive Aspekte in der Hinrunde. Was hat Ihnen besonders gefallen?

I. Seidler: Vor allem bin ich super damit zufrieden, wie stark wir unsere Neuzugänge sowohl sportlich als auch menschlich in die Mannschaft einbauen konnten. Das ist keine Selbstverständlichkeit und immer auch ein Risiko. Aber es hat prima geklappt und wir haben nun endlich die Situation, auf den Positionen doppelt besetzt zu sein. Das hat uns jahrelang gefehlt.

Am auffälligsten von den Neuen waren vor allem Kreisläufer Hendrik Hein und der sehr torgefährliche Kenny Dober, der es in der Torschützenliste der Liga unter die Top 5 gebracht hat. Teilen Sie diese Einschätzung?

I. Seidler: Absolut. Wobei ich auch auf die Entwicklung von Florian Spitz hinweisen möchte, der zunächst seine Einstiegsprobleme bei uns hatte und sich auf der Spielmacherposition nun aber enorm entwickelt hat. Das ist wichtig für uns, schließlich muss er nun den „Kilzer“ ersetzen.

Das bringt uns zu einem wichtigen, gar tragischen Thema. Wie hat Marcel Kilz die schwere Verletzung im letzten Hinrundenspiel in Freiberg, den Lungenriss, überstanden?

I. Seidler: Mittlerweile ganz gut, doch zunächst sah es nicht danach aus. Am Heiligabend war er nach seiner ersten Not-Operation erst aus dem Krankenhaus entlassen worden. Doch nur drei Tage später musste er schon wieder ins Dessauer Klinikum, weil ein Lungenflügel zusammengebrochen war. Wieder wurde er operiert. Erfolgreich. Mittlerweile ist Marcel wieder in Naumburg und ins normale Leben zurückgekehrt. Er wird uns als Kapitän in den kommenden Wochen vor allem moralisch unterstützen.

An Handball ist da zunächst sicher gar nicht zu denken?

I. Seidler: Wir machen dem Kilzer da überhaupt keinen Druck, lassen ihm alle Zeit der Welt. Er selbst jedoch ist ehrgeizig und will unbedingt wieder in die Mannschaft zurück. Wann das sein wird, kann man aber überhaupt nicht sagen.

Neben dem menschlichen Schicksal ist der Ausfall auch sportlich ein herber Verlust …

I. Seidler: Richtig. Marcel war in Top-Form. Und das wird auch eine der Unbekannten schon im Spiel in Köthen, wie die Mannschaft dies kompensieren kann.

Was erwarten Sie sich von der Partie beim Spitzenreiter?

I. Seidler: Für uns geht es darum, zu gucken, wo wir stehen. Die Vorbereitung war bisher sehr gut. Aber nun zählt es. Wir wollen das Spiel so lange wie möglich offen halten, um vielleicht für die Überraschung sorgen zu können. Dass das schwer wird, wissen wir selbst.

Sind außer Marcel Kilz alle Spieler fit und an Bord?

I. Seidler: Eigentlich ja, hätte sich nicht Hendrik Hein gestern einen Muskelfaserriss zugezogen. Bei ihm müssen wir nun abwarten, wie sich die Verletzung entwickelt. Wir werden kein Risiko eingehen. Die wirklich wichtigen Spiele in Hoyerswerda und zu Hause gegen Radis und Ziegelheim kommen schon bald.

Das sind Gegner aus der unteren Tabellenhälfte: Schauen Sie vor allem nach unten?

I. Seidler: Für uns geht es darum, unseren Platz im Mittelfeld zu sichern. Wir wollen gar nicht erst in die Situation kommen, wo wir über eine mögliche Abstiegsgefahr reden müssen. Da das Tabellenmittelfeld aber extrem eng beieinander liegt, braucht es dafür Punkte.

Zwei Personalien bescherten Ihnen in der Hinrunde Kopfzerbrechen: Tobias Seyfarth, überragender Spieler der letzten Jahre, und Thomas Drese, eigentlich Torwart Nummer eins. Wie sieht es da aus?

I. Seidler: Bei Tobias Seyfarth muss man klar sagen, dass er eine absolut gebrauchte Hinrunde erwischt hat. Kleinere und größere Verletzungen, familiäre und berufliche Entwicklungen – vieles spielte da rein. Und als er dann wieder fit war, war er im Kopf einfach fest. Wir haben uns als Team weiterentwickelt. Auch er muss sich da neu einfinden. Ich bin sicher, er schafft das und kann auch wieder eine ganz gefährliche Waffe für uns werden. Bei unseren Keepern ist es so, dass es zu oft so war, dass beide keine Top-Leistungen gezeigt haben. Das Problem ist, dass Thomas Drese berufsbedingt nicht trainieren kann. Florian Hempel bietet sich mit viel Fleiß im Training an. Deswegen hat er momentan etwas die Nase vorn.