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Irre Aufholjagd zum Remis!

Veröffentlicht

VON TORSTEN KÜHL

Oberliga-Männer des HC Burgenland spielen gegen Staßfurt lange schlecht, machen aber in den letzten zwei Minuten noch einen Vier-Tore-Rückstand wett.

NAUMBURG.

Erfahrene Handballtrainer wie Ines Seidler vom HC Burgenland und Uwe Mäuer von Rot-Weiß Staßfurt, die in ihrer aktiven Zeit in der ersten Liga gespielt haben (Mäuer gewann mit dem SC Magdeburg sogar die Champions League), dachten sicher, in ihrem Sport bislang schon so ziemlich alles erlebt zu haben. Doch was am Sonnabendabend im Naumburger „Euroville“ in der Schlussphase der Oberliga-Partie zwischen dem HCB und den Staßfurtern passierte, konnten die beiden ausgewiesenen Experten nur sprachlos und kopfschüttelnd registrieren. So richtig verstanden haben sie es sicher bis heute noch nicht.

Gastgeber führen kein einziges Mal

Was war geschehen? Der gastgebende HCB hatte in einem Spiel, in dem er nicht ein einziges Mal in Führung lag, über weite Strecken eine schlechte Leistung gezeigt. Als die Burgenländer kurz vor Ultimo mit 26:31 zurücklagen, machten wohl die meisten Zuschauer in der Halle einen Haken hinter diese Partie. Zumal man vorher als neutraler Betrachter nie das Gefühl hatte, dass die Einheimischen diese Begegnung für sich entscheiden könnten. Doch was immer auch der Auslöser war – die Seidler-Schützlinge starteten eine irre Aufholjagd, die am Ende noch mit einem Punkt belohnt wurde. Zunächst verwandelte Kenny Dober einen Siebenmeter zum 27:31, nachdem er zuvor einen Strafwurf vergeben hatte. Respekt vor dieser Nervenstärke und Kaltschnäuzigkeit! Anschließend kassierte die Mannschaft aus dem Salzlandkreis eine Zwei-Minuten-Strafe, und nun – knapp zwei Minuten vor dem Ende – nahm der Wahnsinn seinen Lauf.

Schindler trifft in letzter Sekunde

Jan Schindler traf zum 28:31, der Staßfurter Angriff wurde gestoppt, Dober erzielte das 29:31 und wenig später auch das 30:31. Jetzt war noch eine knapp halbe Minute auf der Uhr, die Gäste hatten den Ball. Doch erneut vertändelten sie diesen leichtfertig. Der HCB startete einen letzten verzweifelten Angriff, der mit einem Foul an Jan Schindler unterbrochen wurde. Der Gefoulte schnappte sich den Ball und führte den Freiwurf – drei Sekunden vor Ultimo – sofort aus: Tor! Ausgleich! Schluss! Punktgewinn! Der verdutzte Staßfurter Keeper, seine Vorderleute und die Bank der Gäste reklamierten natürlich vehement, aber die ebenso verdutzten Referees aus Zittau, denen in der Schlussphase völlig die Übersicht abhanden ging, gaben den Treffer. Der Rest war grenzenloser Jubel auf der einen und fassungsloses Staunen auf der anderen Seite.

Natürlich kann man darüber streiten, ob Schindlers Treffer regulär war, ob der Freiwurf nicht an anderer – der richtigen – Stelle hätte ausgeführt werden müssen. Natürlich kann man darüber streiten, ob dieses Remis (das bereits sechste für den HCB in dieser Saison) ein gerechtes Ergebnis ist, wenn man bedenkt, wie ideenlos die Burgenländer gegen die körperlich weit überlegene Abwehr der Staßfurter zumeist gespielt haben. Da wurden oft die Außen sträflich vernachlässigt, da wurden am Kreis zu wenig Siebenmeter und Strafwürfe herausgeholt, da hat man erneut zu viele klare Chancen liegenlassen. Und da war man in der Defensive oft zu inkonsequent gewesen. Das alles hat freilich auch Ines Seidler gesehen. „Nach drei sieglosen Partien hat uns verständlicherweise irgendwie das Selbstvertrauen gefehlt. Die Nervenbelastung war groß. Man konnte das Brett vor den Köpfen der Spieler förmlich sehen“, sagte sie. Aber Seidler lobte das unermüdliche Aufbäumen ihres Teams in schier auswegloser Situation. „Wenigstens konnten sich die Jungs am Ende mit dem einen Zähler noch etwas für ihren Aufwand belohnen“, freute sich die HCB-Trainerin.

Eine gelungene Heimpremiere feierte der dänische Keeper in Diensten der Burgenländer, Stig-Top Rasmussen. Der 41-Jährige, den der HCB vor knapp zwei Wochen reaktiviert hatte (Tageblatt/ MZ berichtete), parierte wesentlich mehr Bälle als die eigentliche Nummer eins, Thomas Drese, und war nicht unzufrieden mit seiner Leistung: „Es gab ein, zwei Würfe des Gegners, da stand ich vielleicht nicht optimal, aber sonst war es schon besser als im Spiel bei den Werratalern.“ Und auch Rasmussen konnte sich nicht daran erinnern, in seiner langen Karriere mal vier Tore in weniger als zwei Minuten aufgeholt zu haben.

HC Burgenland – Rot-Weiß Staßfurt 31:31 (13:16). HCB: Stig-Top Rasmussen, Thomas Drese; Hendrik Hein, Kenny Dober 12/3, Ants Benecke, Tobias Seyfarth 1, Florian Spitz 3, Marcus Deibicht 1, Jan Schindler 8, Christian Haufe 1, Tobias Ufer 1, Max Najmann 4 – kein Einsatz: Steven Wrobel und Marcel Kilz.

Spielfilm: 2:3 (5. Minute), 3:4 (10.), 4:6 (15.), 6:9 (20.), 10:12 (25.), 15:16 (35.), 17:21 (40.), 19:22 (45.), 21:26 (55.) – Siebenmeter: HCB 5/4, Staßfurt 4/4 – Zeitstrafen: HCB 5, Staßfurt 3.

Quelle:

www.naumburger-tageblatt.de