1. Männer

Ohne Krimi geht’s beim HCB nicht ins Bett!

Veröffentlicht

VON HARALD BOLTZE

Oberliga-Team führt gegen Glauchau/Meerane deutlich, wirft den Siegtreffer aber erst nach der Schlusssirene.

NAUMBURG.

Mal wieder hat sich das Eintrittsgeld bei einem Heimspiel des HC Burgenland gelohnt. Dafür sorgten: tolle Tore, haarsträubende Fehler, umstrittene Schiedsrichterentscheidungen und die Tatsache, dass beide Teams in den letzten zehn Sekunden den Siegtreffer in der Hand hatten. Am Ende , bereits nach Ablauf der 60 Minuten, verwandelte ausgerechnet Kenny Dober (dazu später mehr) den Siebenmeter zum 28:27 gegen Gäste aus Glauchau/Meerane, die zumindest einen Punkt absolut verdient gehabt hätten. Im Folgenden die entscheidenden Phasen und Knackpunkte im Überblick:

4:4 – Die als Tabellendritter angereisten Gäste treffen mit guten Anspielen an den Kreis, scheitern aber auch mehrfach an dem erneut sehr gut aufgelegten Stephan Harseim im HCB-Tor. Im Angriff kommt von den einheimischen Tormaschinen nur Jan Schindler gut in die Partie. Hingegen erste Fehlwürfe von Kenny Dober, der aus verständlichen privaten Gründen, wie es Trainerin Ines Seidler ausdrückte, etwas „blockiert“ erscheint.

9:5 – Weitere starke Harseim-Paraden und geblockte Bälle durch die Abwehr führen zu einfachen Kontertoren, wobei vor allem Ants Benecke als Linksaußen auftrumpft. Zu diesem Zeitpunkt ein sehr überzeugender Auftritt der Platzherren.

Halbzeitstand 14:12 – Als man mit fünf Toren führt, leistet sich Dober eine absolut unnötige Zwei-Minuten-Strafe. Danach sogar doppelte Unterzahl für den HCB und mehrfaches Alu-Pech. Die Gäste kommen auf 14:12 heran. Vor allem Rückraumwerfer Rostislav Bruna ist kaum zu stoppen.

21:15 – Sechs-Tore-Führung, das Spiel scheint gelaufen und die Gästebank tobt. Die Schlüsselszene gleich nach der Pause: Nach einem Zusammenprall von Ants Benecke mit Torhüter Ludek Kylisek zeigt ein Referee bereits auf Abwurf. Doch sein Kollege stimmt ihn um, es gibt Rot für Kylisek und Siebenmeter für den HCB. Nicht die einzige Szene im Spiel, bei der das Gespann im Zweifel eher gegen die Gäste pfeift. Der HCB zieht, vor allem dank eines treffsicheren Ants Benecke, nun davon.

21:19 – Die bis dato sehr gute Partie verliert deutlich an Niveau. Das Team aus Naumburg/Stößen/Prittitz leistet sich einen Fehler nach dem anderen und hat Glück, das Glauchau/Meerane nur einen Teil der sich bietenden Chancen nutzt.

22:22 – Abgesehen von einem schier unglaublichen Kempa-Trick (Schmidt auf Schindler in doppelter Unterzahl bei Zeitspiel angezeigt!) und zwei tollen Aktionen des eingewechselten Maximilian Fuchs klappt beim HCB weiterhin wenig. Die Partie ist nun extrem umkämpft. Kenny Dober hat bereits zwei Siebenmeter verworfen.

27:27 – Schlussphase. Womöglich als Konzessionsentscheidung für die Aktion kurz nach der Pause wird der Gäste-Ersatzkeeper Istvan Lengyel für das harte Einsteigen gegen Tobias Ufer verschont. Kenny Dober gelingt aus spitzem Winkel zum 27:26 seine erste starke Aktion des Spiels, doch Glauchau/Meerane gleicht zum 27:27 aus.

Schlusssirene – Das Drama wird zum Krimi: Der HCB hat den letzten Angriff der Partie. Der Ball wird geblockt, ein Gästespieler startet zum Konter, ist frei und wartet auf das Zuspiel von Keeper Lengyel. Der aber ist anscheinend von einem weiteren Zusammenprall kurz zuvor noch benommen. Das Zuspiel bleibt hängen, der HCB kommt an den Ball, ein letztes Durchtanken, und es ertönt quasi mit Ablaufen der regulären Spielzeit der berechtigte Siebenmeterpfiff. Wer wirft? Dober hat einmal getroffen, aber bereits zwei Fahrkarten geworfen. „Da hättest du mich nachts wecken können, und mir sagen können, dass Kenny einen schlechten Tag hatte und ich wäre mir trotzdem sicher gewesen, dass er sich das Ding nicht nehmen lässt“, sagte Trainerin Ines Seidler nach der Partie Und tatsächlich: Dober übernimmt die Verantwortung, spielt „Matchwinner oder Matchloser“. Der Ball schlägt knallhart links unten ein. Das Pendel schlägt auf „Matchwinner“.

Mit dem dritten Sieg in Folge klettert der HC Burgenland auf den sechsten Tabellenplatz und reist am kommenden Sonnabend zum Oberliga-Schlusslicht nach Calbe. „Ich denke, wir haben ein tolles Handballspiel mit starken individuellen Leistungen gesehen. Den Punkt haben wir uns verdient, auch wenn man zugeben muss, dass das Glück heute mal auf unserer Seite war“, meinte HCB-Trainerin Ines Seidler, die dem Gästekeeper, der eine Nacht im Krankenhaus verbrachte, die besten Genesungswünsche aussprach.

HC Burgenland – HC Glauchau/Meerane 28:27 (14:12). HCB: Stephan Harseim,Franz Flemming, Kenny Dober 5/2, Ants Benecke 10, Stephan Fichtner 2, Florian Spitz, Jan Schindler 6, Christian Haufe, Max Weber 3, Tobias Ufer, Maximilian Fuchs 2, Benedikt Schmidt.

Spielfilm: 3:2 (5. Minute), 5:4 (10.), 7:5 (15.), 11:7 (20.), 12:10 (25.), 18:13 (35.), 21:16 (40.), 22:20 (45.), 23:22 (50.), 26:24 (55.).

Am kommenden Sonnabend, 28. November, 18 Uhr, spielen die HCB-Männer bei der TSG Calbe. Die Frauen des Clubs haben am Sonntag, 29. November, 16 Uhr, in Plotha Heimrecht gegen den SC Hoyerswerda.

Die HCB-Frauen haben ihr gestriges Oberliga-Punktspiel beim HC Rödertal II mit 29:19 gewonnen.

 

Quelle:

www.naumburger-tageblatt.de